Mallorca_2011

Trainingslager Mallorca 2011                                                    Fotos vom Trainingslager  |   Bericht von Brigitte  |  Startseite

1. Tag – Hinreise
Wetter: bewölkt, trocken, kühl

Den abgemachten Treffpunkt beim Infoschalter beim Check-in 2, fanden zum Glück alle und dank dem - bereits am Freitag durchgeführten Web-Check-in - mussten wir auch nicht Schlange stehen um unsere Koffer aufzugeben. Lediglich der Zollbeamte bei der Handgepäckkontrolle beanstandete einige Deziliter mitgeführte Flüssigkeit und konfiszierte ausgerechnet das Fläschchen Perskindol, dass Sepp doch so dringend für seine gestauchte Hand gebraucht hätte! In meinem Handgepäck bereitete dem Kontrollpersonal dann noch ein Inbusschlüssel Kopfzerbrechen, aber schlussendlich durfte auch ich mitfliegen. Mit Schrecken stellte ich erst bei der Ankunft in Mallorca fest, dass mein im Handgepäck mitgeführtes Sackmesser für wesentlich mehr Aufregung gesorgt hätte, so es denn vom Kontrollpersonal entdeckt worden wäre!

Der Flug verlief ruhig und bereits 100 Minuten später betraten wir spanischen Boden. Noch einmal 45 Minuten für den Transfer und Sacha und Otwin hissen uns im Hotel Viva Blue Willkommen. Erste positive Überraschung – die Zimmer! Gross und sauber, Küche mit Mikrowelle, Wohnzimmer mit Flachbildschirm, Schlafzimmer mit anständigen Betten, dazu noch eine funktionierende Dusche – Radlerherz, was willst du mehr!

Die Übernahme der Fahrräder ging dann nicht mehr ganz so zügig. Die etwas kurz geratene Geometrie der Stork-Räder bereitet bei einigen von uns Probleme, weil beim Einlenken und gleichzeitig waagrechter Pedalstellung, die Schuhspitze den Vorderreifen streifte. Zwar musste Tanja mit dem Taxi noch in ein Partnerhotel fahren um ein passendes Rad zu erhalten, aber schlussendlich war jede und jeder mit „seinem“ Velo zufrieden.

Bereits um 18:00 Uhr trieb uns der Hunger in den Speisesaal. Das Buffet war üppig und ziemlich weit von unserem Tisch entfernt. Leider mussten wir vom Salat über den Hauptgang bis hin zum Dessert alles selber holen. Aber was soll’s. Auch in den Ferien schadet ein wenig Bewegung überhaupt nicht!

Noch ein, zwei Bier, Kaffee, Tee und Whisky und wir legten uns schlafen!


2. Tag – Erkundungsfahrt
Wetter: schön, am Nachmittag Wind und zunehmend bewölkt
km: 120
GPX
KML

Sacha lud uns ein, mit ihm zusammen eine lockere Erkundungsfahrt vorzunehmen. Natürlich sagten wir nicht nein und um 10:30 Uhr zogen wir los. Bereits nach den ersten Kilometern wurde uns klar, weshalb, Mallorca im Frühling bei den Radfahrern derart beliebt ist. Schöne Landschaft, gute Strassen und da wo’s Verkehr hat, tolerante Autofahrer! Mein Gott, was würde das in der Schweiz für ein Gehupe absetzen, wenn wir zu zweit nebeneinander durchs Knonaueramt fahren würden! Sacha zeigte uns, dass er die spanische Ferieninsel kennt wie seine Hosentasche und führte uns über immer schönere Strässchen rund um Alcudia, bis wir nach fast 80 km wieder bei unserem Hotel ankamen. Spontan und voller Elan entschieden sich unsere Fahrer noch für eine 50 km Zusatzrunde und waren bereits weg, als ich etwas später zusammen mit Silvia beim Hotel vorfuhr. Schade wäre auch gerne noch mitgekommen.

Zum Abendessen hatten wir dann auch endlich einen reservierten Tisch, an dem alle vom VMC Urdorf Platz fanden.

Die Infoveranstaltung vom Veranstalter nach dem Nachtessen verlief schnell und schmerzlos, so dass wir bereits eine halbe Stunde später beim Schlummertrunk in einem der zahlreichen Restaurants sassen.

Für den Brüller des Tages sorgten die Zimmergenossen aus Appartement 4102. Und das ging so: Zimmergenosse F. macht sich auf den Weg in den Ausgang und vergisst dabei den elektronischen Schlüssel, in Form einer Karte, mitzunehmen. Zimmergenosse O. – hilfsbereit wie immer – nimmt diese Karte mit und macht sich ebenfalls auf den Weg in den Ausgang. Das Dumme daran, die beiden verpassen sich und als Zimmergenosse F. nach Hause kommt, steht er hilflos vor der verschlossenen Türe. Da Zimmergenosse O. noch immer dem mallorkinischen Nachtleben frönt (mit beiden Zimmerschlüsseln), ist guter Rat teuer. In solchen Fällen sind aber die Kollegin T. und Kollege C. nicht weit und empfehlen Zimmergenosse F., sich an der Rezeption eine Ersatzkarte zu besorgen. Gesagt getan, und schon kurze Zeit später liegt Zimmergenosse F. in seinem Bett und schläft den Schlaf des Gerechten! Einige Zeit später findet nun auch Zimmergenosse O. nach Hause. Und nun kommt’s! Mit der  von Zimmergenosse F. beantragten Ersatzkarte, wurde automatisch die Originalkarte ausser Betrieb gesetzt. Sowohl das laute Hämmern gegen die Zimmertüre, wie auch ununterbrochenes Läuten des Zimmertelefons konnte Zimmergenosse F. unmöglich hören, da er sich in den Ferien grundsätzlich immer mit Oropax vollstopft, bevor er sich ins Bett legt. Das laute Toben von Zimmergenosse O. weckt nun aber die Zimmernachbarn P. und S., die dem total entnervten Zimmergenossen O. für eine Nacht Asyl in ihrem Zimmer gewähren!

Ach wie langweilig wäre doch so ein Trainingslager, wenn nicht hin und wieder zwei Lustige für etwas Unterhaltung sorgen würden!


3. Tag – keine Ausfahrt
Wetter: Nass, grau und windig
km:0

Der Kampf um unseren reservierten Tisch geht in eine neue Runde! Für uns eigentlich schwer verständlich, dass es nicht möglich ist, einen Tisch für uns freizuhalten. Platz hat’s im riesengrossen Speisesaal alleweil. Aber was soll’s, wir werden auch das klären.

Leider hatte der Wetterbericht nicht gelogen und pünktlich zum Frühstück setzt der Regen ein. Da auf Mallorca die Strassen bei Regen extrem rutschig werden und der Regen keine Anstalten machte aufzuhören, beschlossen wir mit dem Bus nach Palma zu fahren! Leider verpassten wir diesen um ein paar Minuten und niemand hatte Lust fast zwei Stunden auf die nächste Fahrt zu warten. So zogen sich die Damen auf ihre Zimmer zurück, während wir Männer einen Spaziergang durch Alcudia wagten, mit anschliessendem Mittagessen beim Hamburger Willy.


4. Tag – Abstimmungsprobleme mit der Geschwindigkeit
Wetter: wunderschön
Km: 110
GPX
KML

Silvia hatte sich entschieden mit der Easy-Gruppe zu fahren, so dass wir nur noch zu elft mit Sacha loszogen. Zügig, zu zügig ging unser Guide die Sache an, so dass während langer Zeit keine rechte Harmonie im Urdorfer-Feld entstand. Erschwerend kam noch hinzu, dass Oberchef Guy ebenfalls mit von der Partie war und er der Ansicht war, dass auch an den Steigungen das ganze Fahrerfeld zusammen bleiben muss! Leider (für ihn) nehmen wir es aber jedem übel, der versucht uns den Berg hinauf zu stossen! In unserem Verein fährt am Berg jeder sein eigenes Tempo - fertig! Guy hat das aber schnell verstanden und sich dann auch schnell verabschiedet!

Erst auf den letzten 25 km blieb das Feld kompakt zusammen, trotz Gegenwind und Tempi über 30 km/h.
Das änderte aber nichts daran, dass uns Sacha wiederum durch die schönsten Ecken von Mallorca führte.

Zurück in Alcudia lag noch ein Abstecher zum Hafen drin, wo wir die 110 km mit Bier, Cortado und Cola begossen. Natürlich zog sich das Ganze etwas in die Länge, so dass wir uns fast noch beeilen mussten, um rechtzeitig zum Nachtessen zu erscheinen.

Abend’s stand dann König Fussball auf dem Programm und wir schauten uns das Spiel Barcelona-Madrid an.


5. Tag – Randa, ein Hügel mit herrlicher Weitsicht!
Wetter: wunderschön, am Nachmittag Wolken
Km: 115
GPX (leider nur die ersten 53 km)
KML

Pünktlich um 10:30 Uhr pfiff uns Sacha zum Start! Die heutige Ansage hörte sich relativ easy an. 115 km, dazu ein lockerer Aufstieg von 5 km hinauf nach Randa auf knapp 540 m! Alles kein Problem. Nicht mehr ganz so schnell wie am Vortag, zogen wir dem Meer entlang in Richtung Süden. Nach 7 km bogen wir scharf rechts ab und gelangten über Maria de la Salut, Sineu und Algaida nach Randa. Bereits waren 50 km zurückgelegt und Sacha gab grünes Licht für den 5 km langen Anstieg. Oben angekommen waren wir beeindruckt von der herrlichen Weitsicht! Nur Schade, dass Sacha schon bald wieder auf seiner Rennmaschine sass und zum Abmarsch rief!

Bis Petra waren es noch 25 km und erst da konnten wir Hunger und Durst stillen. Petra ist ein schöner Ort. Mir gefielen die schmalen Einbahn-Strässchen, die schön symmetrisch angeordnet waren. Weniger mein Geschmack war der ca. 30 auf 30 Meter grosse Platz in der Dorfmitte. Dort reihte sich Beiz an Beiz und es konnte gut möglich sein, dass der Sitznachbar von einem anderen Kellner bedient wurde, weil dieser auf einem Stuhl sass, der eben schon zu einem anderen Beizli gehörte! Selbstreden, dass 99% der Gäste Radlerinnen und Radler waren!

Nachdem wir Orangenschnitze (gratis), Kafi, Cola und Schinkenbrötchen vertilgt hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Und der bereitete uns richtiggehend Sorge! Nein, nicht wegen den noch fehlenden 40 km, nein, am Himmel hingen aber plötzlich schwarze Wolken, natürlich genau dort wo wir durchfahren mussten. Irgendwie schafften wir es aber dem Regen auszuweichen und erreichten das Viva Blue (unser Hotel) ohne nass zu werden.


6. Tag – Königsetappe
Wetter: wunderschön, am Nachmittag Wolken
Km: 110 / 140
GPX (nur 110 km-Strecke)
KML

Für die angesagte Königsetappe liess sich unser Veranstalter Luxcom etwas besonderes einfallen. Mit dem Car wurden wir mitsamt den Rädern nach Andratx chauffiert um von dort in drei Stärkeklassen zurück zu fahren!

Zwar konnte die geplante Abfahrt um 09:15 Uhr nicht eingehalten werden, dem einen oder anderen dürfte das aber nicht ungelegen gekommen sein, da wir ja sonst erst um 11:30 Uhr am Start stehen mussten. Die Carfahrt dauerte knapp anderthalb Stunden, die Rückfahrt mit dem Velo doch um einiges länger!

Bis zur allerletzten Minute waren sich einige unserer Fahrer unschlüssig, welcher Gruppe sie sich anschliessen sollten! Kurz nach elf Uhr war es dann aber soweit. Tanja, Paul, Felix, Christoph und der Schreiberling entschieden sich für die harte Tour, der Rest unserer Mannschaft entschloss sich die etwas kürzere Strecke zu fahren. Diese Gruppe wurde dann noch einmal in eine Schnelle (mit Sacha) und eine etwas weniger Schnelle (mit Ottwin) gesplittet.

Gerhard - unser Guide für die lange Strecke - liess uns noch kurz Zeit für die Freiluft-Pipibox und wenig später befanden wir uns bereits in der ersten von vielen, vielen, längeren und kürzeren Steigungen, die wir an diesem Tag noch zu bewältigen hatten.

Die folgenden Kilometer gehören nun eindeutig zu den Schönsten, die ich in meiner langen Radkarriere gefahren bin! Immer so auf ca. 300 m über dem Meer, mit steil abfallender Küste, schlängelt sich die Strasse durch die mallorkinischen Berge! Dazu noch perfektes Wetter - einfach himmlisch! Leider lässt aber auch die schönste Strecke die Anstrengung nicht völlig vergessen und das ständige Rauf und Runter zerrt an den Kräften, so dass wir alle froh waren als Gerhard in Sóller - nach fast der Hälfte der Tour - in einem schnuckeligen Beizli anhielt!

Der mit 11 km längste Anstieg des Tages, hinauf zum Puig Major auf 900 m, lag noch vor uns. Zum Glück war es aber nirgends überhängend und schlussendlich erreichten wir alle den Tunneleingang, der uns wieder auf die Westseite der Insel führte. Wer nun aber glaubte, das Schlimmste sei geschafft, wurde arg enttäuscht. Gerhard, der über die gesamte Tour fantastisch führte, zeigte keine Schwäche und fuhr die zahllosen Gegensteigungen in gleichmässigem Tempo - leider in gleichmässig schnellem Tempo! Zudem zogen dunkle Wolken auf und kurz vor Escorca erwischte uns ein Regenschauer. Dies war dann auch der Grund, wieso wir die Abfahrt nach Pollença wählten und nicht via Inca nach Alcudia fuhren.

Noch 30 km Tempo bolzen und wir erreichten Alcudia nach 140 km, 2386 Höhenmeter und einem beachtlichen Schnitt von 24 km/h! Selbstverständlich mussten wir diese Daten erst verdauen und das ging am besten bei einem - oder waren es zwei - Glas Bier!


7. Tag – Schlusstour mit kulinarischer Einlage
Wetter: schön
Km: 120
GPX
KML

Heute steht bereits die letzte Ausfahrt auf dem Programm. Wir tun uns schwer mit der Entscheidung, ob wir mit Sacha zum Kloster Luc oder mit Gerhard über 120 km nach Sineu in einen Weinkeller, inklusive mallorkinischen Spezialitäten fahren sollen! Zum Glück nehmen uns Hans und Sacha die Entscheidung ab, indem sie einfach plötzlich nicht mehr da waren! Also nichts wie los. Mit Schrecken stelle ich fest, dass sich auch Oberguide Guy in unserer grossen Gruppe aufhält und sofort habe ich die Szene vor Augen, wie er anfangs Woche noch versuchte, unser Feld zusammen zu halten. Aber meine Befürchtung war umsonst. Still radelt er an der Spitze, bis er sich an einer Kreuzung wortlos von dannen macht!

Gerhard führt uns zuerst zur Cala de San Vicenç - zu einer wunderschön gelegenen Bucht, ganz im Norden von Mallorca. Leider hat er kein Musikgehör für meinen Cappuccinowunsch und so radeln wir halt weiter. Auf schmalen Strässchen passieren wir Campanet, Búger und Inca, bevor wir nach 70 km in Sineu den Weinkeller erreichen. Die Räder nehmen wir gleich mit ins Restaurant und setzen uns direkt neben den uralten Weinfässern an die Tische!

Othmar bekommt vor Schreck den Mund fast nicht mehr zu, als der Kellner aufzählt, was denn nun alles in den mallorkinischen Spezialitäten enthalten ist und ist sich sicher, dass ihn das umbringen würde! Auch ich kann mit den Innereien nicht viel anfangen und verzehre stattdessen ein einheimisches Hühnchen.

Mit mehr oder weniger vollem Bauch legen wir die noch anstehenden Kilometer nach Alcudia zurück und beenden unsere Mallorca-Touren in einem der zahlreichen Restaurants.


8. Tag – Abschied von Alcudia und Rückflug
Wetter: bewölkt, wenig Regen, dann schön

In der Hoffnung, auch noch den Samstag für eine Ausfahrt nutzen zu können, hatte Silvia den Rückflug für uns erst spät Abends gebucht. Wegen dem einsetzenden Regen am Samstag Morgen entschlossen wir uns aber die Mieträder zurück zu geben und den Tag anderweitig zu verbringen. Mit dem Bus fuhren wir vom touristischen Stadtteil in die Altstadt von Alcudia. Alcudia wurde im 2. Jahrhundert vor Chr. von den Römern zur Hauptstadt gemacht. Nach der Zerstörung durch die Vandalen im 6. Jahrhundert, wurde die Stadt wieder aufgebaut und im Jahr 1200 mit den jetzt noch bestehenden Stadtmauern umgeben.

Das Rumhängen wurde dann aber trotz dem Ausflug nach Alcudia etwas mühsam und so waren wir alle froh, als um 18:15 Uhr der Bus vorfuhr, um uns zum Flughafen in Las Palmas zu bringen. Noch schnell verabschieden von unseren Guides, von Tanja - die noch eine Woche länger bleibt und Corinne, die erst am Samstagnachmittag angekommen war - und weg waren wir!

Der Rückflug mit der Air Berlin startete etwas verspätet, so dass wir erst gegen 23:00 Uhr in Kloten landeten. Ursi, unsere gute Alpenbrevet-Fee, hatte in ihrem Auto Platz für Silvia, Brigitte, Christine und mich und fuhr uns bis vor die Haustüre. Danke vielmal!

Ach ja, dass wir wieder heimischen Boden unter den Füssen hatten, merkten wir spätestens am mehreren Kilometer langen Stau vor dem Gubrist-Tunnel - und das um Mitternacht, wohlverstanden!